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90 x 150 cm
Kaharipapier, Tusche, gewoben, Dezember 2005
Text: Allgemeine Menschenrechte + Art. 1 des Grundgesetzes der BRD
Werkbeschreibung
Die Arbeit besteht aus zwei 100 x 170 großen Papierbögen aus handgeschöpftem
Kaharipapier, die jeweils auf der Vorderseite beschriftet sind und auf deren Rückseite
sich ein Muster aus zahlreichen einzelnen, senkrechten, mit einer speziellen Drucktechnik
aufgebrachten Linien befindet.
Auf Bogen eins befindet sich eine vollständige Abschrift der allgemeinen Menschenrechte,
auf Bogen zwei der erste Paragraph dieser Menschenrechte in sämtlichen Sprachen der dem
Europarat angehörenden Länder. Für jedes Land befindet sich zudem ein Fingerabdruck auf
Bogen zwei.
Die Bögen wurden in Streifen geschnitten und übereinander gelegt, zum Teil in alle
Richtungen verdreht und dann verwoben, wobei die Reihenfolge innerhalb der Streifen eines
Bogens ebenfalls verändert wurde. Es sollte ein irritierender Bildeindruck entstehen,
ebenso irritierend und undurchsichtig, wie die Beachtung und Durchsetzung der
Menschenrechte in vielen Teilen der Welt, aber gerade auch in vermeindlich demokratisch
organisierten Ländern und Staaaten. Zu dem Bild gehört ein schmaler, naturbelassener
Schattenfugen-rahmen aus Lindenholz.
Mit dieser Arbeit wollte ich mich mit den alltäglichen Verletzungen der Menschenrechte
auseinandersetzen, da ich es im Zuge der politischen und rechtlichen Entwicklung
insbesondere in Deutschland im Dezember 2005 für wichtig hielt, die aufflammende
Diskussion zum Thema Folter und Freiheitsberaubung künstlerisch festzuhalten, zu
dokumentieren und vor allen Dingen Stellung zu beziehen. Unter keinen Umständen dürfen
Artikel fünf der Menschenrechte und Artikel eins unseres Grundgesetzes ("Die Würde
des Menschen ist unantastbar" - dieser Satz verläuft in großen Buchstaben in der
oberen Hälfte quer über das Bild) in ihrer eindeutigen Bedeutung aufgeweicht,
interpretierbar werden. Das Mißachten der Menschenrechte, das Verdrehen der Bedeutungen
nach Bedarf, aber auch der Rahmen als Anstrengung, die Rechte in ihrer Gesamtheit zu
bewahren und zu schützen, wurden hier verarbeitet. Auf der Rückseite (und zum Teil auch
auf der Vorderseite) ragen die senkrechten Linien wie ein undurchdringliches Feld auf. Sie
sind eine symbolische Grenze, sowohl für diejenigen, die sich dafür einsetzen, die
Menschenrechte weltweit zu verbreiten und durchzusetzen, als auch für diejenigen, denen
sie nicht zuteil werden, denen der Zugang zu ihnen versperrt ist.
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