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175 x 230 cm
Zeitungspapier, Journale, Drucke, gewoben; Plexiglas, 2004/2005
aus der Serie "mixed media reality suplements"
"Das Gewebe aus Symbolen, die "kodifizierte Welt", welche die Menschheit
immer dichter um sich webt, um darin erworbene Informationen zu speichern und so dem Leben
einen Sinn zu geben, ist von völlig undurchsichtiger Komplexität, und diese
Undurchsichtigkeit liegt in seiner Absicht." (Vilém Flusser, Professor für
Kommunikationsphilosophie (1920-1991))
Werkbeschreibung
Das Werk wurde aus (grundsätzlich vollständigen) Zeitungsartikeln, Digitaldrucken und
Handdrucken gewoben. Hinzu kommen Plastik und Jute. Jedem Artikel und jedem Bild wurde im
Vorfeld eine Position im Gesamtwerk zugeordnet, eine Art Strickmuster erstellt. Die
Artikel und Bilder sind nur selten zusammenhängend gewoben; dem schier unüberschaubaren
Chaos der Informationsflut im Zeitalter des iconic turn entsprechend, wurden sie
zerstückelt und an unterschiedlichen Orten im Gesamtwerk positioniert. Lediglich zwei
identische Bilder eines Frauenkopfes (einmal farbig, einmal sw) und einige kleinere Texte
wurden zusammenhängend gelassen. Bei den Gesichtern allerdings wurde bei dem farbigen bei
der Webtechnik darauf geachtet, dass die maßgeblichen Wiedererkennungsmerkmale für das
Gehirn, Augen und Nase, sichtbar bleiben. Bei dem Gesicht in sw wurden diese überwoben,
sodass es dem Betrachter schwerfällt, die sichtbaren Informationen unmittelbar zu einem
Gesicht zusammen ordnen. Nachdem das erste Gesicht jedoch erkannt wurde, fällt es
wesentlich einfacher, aus das zweite (wieder) zu erkennen.
Der durchsichtige Plexiglasrahmen steht für unsere Überzeugung, aus einem schier
unerschöpflichen, "transparenten" Informationspool jene Quellen und Fragmente
für uns auswählen zu können, die wir, entsprechend unseren eigenen Maßstaben,
Kriterien und Überzeugungen, zum Bau und zur Ausgestaltung unseres eigenen Weltbild
nutzen wollen. Die unterbrochene, dreigeteilte Front aus Plexiglas läßt die
Möglichkeit, nicht nur durch das Glas einen direkten Blick auf unsere Informationsquellen
zu bekommen, sondern das Gewebe durch die Unterbrechungen zu berühren. Der durchsichtige
Riegel wiederum soll eine Grenze verdeutlichen, und dass all diese Informationen bereits
mehrfachen Filterungen unterliegen. Der weiße Faden ist ein ausgebleichter roter Faden,
da wir im Moment, wie es auch in der aktuellen Forschung weltweit beschrieben und
untersucht wird, die Übersicht und Kontrolle über die Bilder- und Informationsflut
verloren haben, und ein sinnvoller Umgang damit noch nicht entschlüsselt wurde.
Die 16 Befestigungen an den Seiten, an denen das Bild mit Fäden befestigt und so in dem
Plexiglasrahmen aufgespannt wird, symbolisieren die bei dem damals üblichen
Herstellungsverfahren von Pergament verwendete Befestigungstechnik der Haut am
Holzgestell. Das geschriebene Wort war zu diesen Zeiten sehr viel Wert und nur einer sehr
begrenzten Anzahl an Menschen überhaupt zugängig. Heute ist es - in unseren
Kulturkreisen - beinahe jedem Interessierten zugänglich, und ein Großteil landet
allabendlich in der Mülltonne: die Tages- und Wochenzeitungen, Werbung, Flyer, Post. Die
Evolution eines Mediums und seine Auswirkungen und Konsequenzen.
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